Amazon FBA: was sich am 12. August 2026 geändert hat
Vier Jahre lang haben FBA-Händler die Entsorgung von Amazons eigenen Kartons bezahlt. Diese Regel wurde im August gestrichen. Das ist eine echte Ersparnis — und genau der Punkt, an dem viele jetzt überkorrigieren und Mengen aus der Meldung nehmen, die sie weiterhin schulden.
Kurz gefasst
- Bis 11. August 2026 rechnete das Gesetz dir Amazons FBA-Versandkartons einfach zu. Diese Zurechnung gibt es nicht mehr.
- Amazon erklärt, die Entsorgungspflichten für die selbst hinzugefügten Verpackungen zu übernehmen.
- Deine eigene Produkt- und Verkaufsverpackung war nie betroffen. Sie bleibt deine — und sie macht ohnehin den größeren Teil deiner Rechnung aus.
- Du brauchst weiterhin deine eigene LUCID-Registrierung, und aus dem Ausland weiterhin eine Bevollmächtigte.
- Streich deine alten Zahlen nicht einfach. Trenn sie erst nach Herkunft und schreib auf, warum.
Was die alte Regel sagte
Seit dem 1. Juli 2022 stand im Verpackungsgesetz eine besondere Zurechnungsregel für Fulfilment-Dienstleister: Verpackte ein solcher Dienstleister die Ware eines Händlers in systembeteiligungspflichtige Versandverpackungen, galt der Händler insoweit als Hersteller — unabhängig davon, wer den Karton eingekauft, gelagert, aufgefaltet und zugeklebt hatte.
Für Amazon FBA führte das zu einer eigentümlichen Lage. Amazon kaufte die Kartons, lagerte sie im eigenen Zentrum, füllte deine Ware hinein, klebte das eigene Etikett darauf — und du zahltest die Entsorgung. Amazon gab dafür sogar einen Richtwert aus: rund 95 g Papier und 5 g Kunststoff je versendeter Einheit. Diese Mengen liefen über deinen eigenen Systemvertrag.
Darüber wurde vier Jahre gestritten. Erledigt hat es sich jetzt durch Streichung.
Was an die Stelle getreten ist
Seit dem 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung unmittelbar, und in Deutschland hat das VerpackDG das Verpackungsgesetz abgelöst. Die Zurechnungsregel für Fulfilment-Dienstleister wurde nicht übernommen.
Du bist also nicht mehr allein deshalb Hersteller eines Versandkartons, weil Amazon ihn für deine Ware benutzt hat. Stattdessen ist für jede Verpackung einzeln zu prüfen: Wer hat sie hergestellt oder unter seiner Marke entwickelt, wer hat sie erstmals auf dem deutschen Markt bereitgestellt, und auf welcher Stufe der Lieferkette.
Zwei Begriffe, die jetzt Verschiedenes bedeuten. Die Verordnung trennt den Erzeuger einer Verpackung, der für ihre Konformität einsteht, vom Hersteller im Sinne der erweiterten Herstellerverantwortung, der registriert, die Entsorgung finanziert und die Mengen meldet. Oft ist beides dasselbe Unternehmen. Zwingend ist es nicht.
Kartons mit Amazon-Logo: Amazon
Am klarsten ist der Fall, wenn Amazon einen Karton verwendet, der unter Amazons Namen, Logo oder Marke hergestellt oder entwickelt wurde. Wird eine Verpackung unter der Marke eines Unternehmens hergestellt, ist grundsätzlich dieses Unternehmen ihr Erzeuger — und bei einem gekennzeichneten Amazon-Versandkarton liegt regelmäßig auch die erweiterte Herstellerverantwortung bei Amazon. Dass deine Ware darin liegt, holt den Karton nicht zu dir zurück.
Amazon selbst hat erklärt, die EPR-Compliance für die beim FBA-Versand hinzugefügten Verpackungen zu übernehmen. Das ist die praktische Antwort für die meisten Händler, und sie deckt sich mit der rechtlichen.
Ein Versandetikett ist keine Marke
Diese Unterscheidung übersehen viele. Auf einem Versandlabel stehen Absender, Empfänger, Barcode und Sendungsnummer. Nach der aktuellen Auslegung macht ein zu Versandzwecken aufgebrachter Aufkleber den Karton nicht zu einer Markenverpackung des dort genannten Unternehmens.
Ein völlig neutraler Standardkarton wird also nicht dadurch zur Amazon-Verpackung, dass am Ende ein Amazon-Etikett darauf klebt. Womit wir beim wirklich offenen Teil sind.
Neutrale Kartons: noch umstritten
Für einen unmarkierten Karton stehen derzeit zwei Lesarten nebeneinander.
Auf europäischer Ebene kann ein neutraler Standardkarton bereits als Verpackung in endgültiger Form gelten, auch wenn er flach angeliefert und erst beim Versand aufgefaltet wird. Dann ist der eigentliche Kartonproduzent weiter oben in der Kette Erzeuger, und das Zusammenfügen von fertigem Karton, fertigem Klebeband und fertigem Füllmaterial schafft beim Verpacken keine neue Verpackung.
Die Zentrale Stelle Verpackungsregister sieht das teilweise anders. Werden verschiedene Materialien — Karton, Klebeband, Füllmaterial — erst beim Versand zu einer vollständigen Verpackung zusammengefügt, kann danach das versendende Unternehmen selbst als Erzeuger und Hersteller gelten.
Beide Auffassungen stehen im Raum, sie decken sich nicht, und niemand hat das bisher entschieden. Deshalb ist der Satz „bei FBA ist immer Amazon der Hersteller“ zu weit gegriffen, um darauf eine Mengenmeldung zu stützen.
Was eindeutig deins bleibt
Der August 2026 hat deine eigene Verpackung nicht aus deiner Verantwortung genommen. Kommt ein Produkt bereits in deinem Karton, deiner Tüte, deiner bedruckten Hülle im Logistikzentrum an, ist diese Verpackung deine. Wenn Amazon sie zusätzlich in einen Amazon-Karton legt, entsteht eine zweite, eigenständige Verpackung mit möglicherweise anderem Verantwortlichen. Die beiden verschmelzen nicht.
Was in der Praxis bei dir bleibt:
- Produkt- und Verkaufsverpackung — Schachtel, Glas, Flasche, Dose, Beutel oder Banderole, in der der Artikel verkauft wird.
- Alles unter deiner eigenen Marke, auch bedruckte Versandtaschen, die du vorverpackt an Amazon lieferst.
- Alles aus deinen anderen Kanälen. Wenn du Shopify- oder Etsy-Bestellungen selbst verschickst, gehört diese Versandverpackung vollständig dir — Karton, Füllmaterial, Klebeband, Etikett.
- Beilagen: Dankeskarten, Seidenpapier, Aufkleber, Polybeutel.
Der Mischfall ist die Fehlerquelle. Die meisten, die mir schreiben, fahren FBA neben dem eigenen Shop. Die Änderung betrifft den einen Kanal und den anderen nicht. Wer die neue Lage auf alles anwendet, meldet zu wenig — und die selbst verschickten Mengen sind meist die schwereren, weil dort ordentlich gepackt wird.
Was du mit deinen Zahlen machst
Falsch wäre, jedes Kilogramm Versandverpackung aus der Meldung zu streichen und auf das Beste zu hoffen. Die Zentrale Stelle darf fragen, warum eine gemeldete Menge gesunken ist, und „ich habe gelesen, das macht jetzt Amazon“ ist keine Dokumentation.
- Nach Herkunft trennen, nicht nach Kanal. Was kommt bei Amazon schon von dir verpackt an? Was fügt Amazon im Logistikzentrum hinzu? Das sind zwei getrennte Listen.
- Die Kartons ansehen. Sind die Kartons, in denen deine Ware rausgeht, gebrandet oder neutral? Bei gebrandeten ist die Antwort bequem. Bei neutralen melde vorerst weiter und behandle es als offen.
- Amazons eigene Aussage schriftlich holen. Welche Verpackungen behandelt Amazon ab dem 12. August als eigene, welche gibt es an dich zurück? Die EPR-Berichte in der Seller Central sind der Ausgangspunkt.
- Die Anlieferseite prüfen. Kartons, mit denen du Bestand ins deutsche Lager schickst, sind deine. Ebenso alles, was über Pan-EU aus einem anderen Land nach Deutschland verschoben wird.
- Aufschreiben, was du geändert hast und warum. Eine Seite, mit Datum. Wenn in zwei Jahren jemand fragt, ist diese Seite die Antwort.
Erspart das die Bevollmächtigte?
Nein — und das gehört deutlich gesagt, weil beide Änderungen am selben Tag kamen und leicht durcheinandergeraten.
Seit dem 12. August 2026 muss ein Unternehmen, das außerhalb Deutschlands niedergelassen ist, hier keine Niederlassung hat und verpackte Ware an Endabnehmer in Deutschland liefert, eine Bevollmächtigte benennen. Diese Pflicht knüpft an deine Herstellerrolle an. Sie hängt nicht daran, wer deine Kartons faltet.
Solange irgendeine Verpackung deine ist — und deine Produktverpackung ist es mit ziemlicher Sicherheit — bist du Hersteller mit deutschen Pflichten, und die brauchen jemanden mit Sitz in Deutschland, der sie trägt. FBA kann die Mengen kleiner machen. Verschwinden lässt es dich nicht.
Eines ändert FBA ebenfalls nicht. Die Registrierung in LUCID ist deine persönliche Pflicht. Niemand darf sie für dich erledigen, weder Amazon noch ich. Amazon gleicht die Nummer anschließend mit dem Register ab — deshalb führt eine Abweichung zwischen Seller Central und LUCID zur Sperrung der Angebote. Die Registrierung selbst dauert etwa zehn Minuten.
Häufige Fragen
Meine Mengen sinken stark. Sieht das verdächtig aus?
Ein Rückgang der gemeldeten Versandverpackung im zweiten Halbjahr 2026 ist im ganzen Markt zu erwarten. Entscheidend ist, dass du die Trennung erklären kannst. Melde, was wirklich deins ist, heb die Notiz auf, und es ist eine normale Veränderung statt einer Lücke.
Und die Jahre vor 2026?
Unverändert. Nach der alten Regel gehörten diese FBA-Versandmengen dir, und wenn sie nie lizenziert wurden, schuldest du sie für jene Jahre weiterhin. Frühere Jahre kauft man beim Systembetreiber nachträglich, Jahr für Jahr, jedes mit eigenem Mindestentgelt. Das neue Recht wischt sie nicht weg.
Ich verkaufe ausschließlich über FBA. Bin ich damit durch?
Nur wenn wirklich keine Verpackung von dir bei einem deutschen Kunden ankommt — das ist selten, weil der Artikel selbst fast immer in etwas steckt. Schick mir ein Foto eines ungeöffneten Pakets und eines vom Produkt, wie es im Logistikzentrum ankommt; meist kann ich es dir in einer Mail beantworten.
Unsicher, welche Hälfte deine ist?
Schreib mir, was du verschickst, wie und über welche Kanäle. Wenn dabei herauskommt, dass du weniger brauchst als gedacht, sage ich dir das auch.
Schreib mir direktAllgemeine Information, keine Rechtsberatung, Stand September 2026. Die Behandlung neutraler Versandverpackungen ist derzeit tatsächlich ungeklärt: die europäische Auslegung und die Hinweise der Zentralen Stelle decken sich nicht vollständig, und ich habe das oben so stehen lassen, statt die günstigere Lesart zu wählen. Wenn deine Konstellation besonders ist, sag es — dann sage ich dir meine Einschätzung, oder dass du dafür eine Anwältin brauchst und nicht mich.